AKTUELLES ZUR MESSGENAUIGKEIT VON FELDSTÄRKEMESSGERÄTEN

Einleitung

Der Artikel "Die schwierige Suche nach geeigneten Messgeräten" in der Zeitschrift "Wohnung+Gesundheit" Heft Nr. 93 und die darauf folgende Diskussion über die Genauigkeit von Messgeräten hat uns veranlasst, eine Untersuchung über die Messgenauigkeit von Feldstärkemessgeräten zu veröffentlichen.
Die interessanten Ergebnisse über den Einfluss von Messgleichrichtern auf die Messgenauigkeit haben wir für Sie auf dieser Seite zusammengestellt.

Theorie zur Gleichrichtung von Messsignalen

Bei den als Elektrosmog bezeichneten elektrischen und magnetischen Feldern handelt es sich um Wechselfelder. Dies bedeutet, daß sie periodisch ihre Polarität ändern. So wechselt das Feld einer Leitung unseres 50 Hz-Versorgungsnetzes 100mal in der Sekunde seine Polarität.
In einem Feldstärkemessgerät werden diese Wechselfelder von den Feldsensoren in eine Wechselspannung umgewandelt. Zur Darstellung des Messwertes in der Anzeige des Messgerätes ist jedoch eine Gleichspannung erforderlich, die aus der Wechselspannung erzeugt wird. Dabei muß die gleichgerichtete Spannung dem Wert der Wechselspannung direkt proprotional entsprechen. Hierzu ist messtechnisch eine Effektivwertgleichrichtung (TRMS), Mittelwertgleichrichtung sowie Spitzenwertgleichrichtung möglich.
Die untere Grafik zeigt die Umwandlung eines Wechsel- in ein Gleichspannungssignal.



Da je nach Signalform zwischen diesen Umwandlungen sehr grosse Differenzen entstehen können, ist für ein Messgerät die Art der Gleichrichtung sehr wichtig.
Die für die Messung an Bildschirmen entwickelten und nun auch in der Baubiologie nicht zuletzt wegen den diesen Richtlinien entsprechenden Elektrofeldsonden (auch "Pizzateller" genannt) bekannten MPRII- und TCO-Richtlinen schreiben hierzu eine Anzeige des Effektivwertes vor. Die deutsche Norm VDE 0484-4 zum Schutz von Personen im Frequenzbereich von 0 Hz-30 kHz enthält die Grenzwerte als Effektiv- und Spitzenwert. Es liegt also nahe in einem Feldstärkemessgerät die Effektivwertgleichrichtung einzusetzten.
Was aber bedeutet dieser Effektivwert? Wird an einem Widerstand die Wechsel- oder die Gleichspannung anlegt, so muß am Widerstand stets die identische Leistung abfallen, d.h. die gleiche Erwärmung auftreten.
Die Effektivwertumwandlung ist elektronisch schwierig und nur über spezielle Effektivwertwandler, d.h. aufwendige integrierte Schaltungen, möglich.
Oft wird in der Messtechnik dennoch die sogenannte Mittelwertgleichrichtung eingesetzt, welche meist einfach und preiswert zu verwirklichen ist, jedoch den Mittelwert der Wechselspannung abbildet. Dieser Mittelwert wird generell auf den Effektivwert eines sinusförmigen Signals abgeglichen. Diese sind gleich solange das Eingangssignal sinusförmig ist. Bei jeder anderen Signalform ändert sich das Verhältnis von Mittelwert zum Effektivwert, und es entstehen Differenzen zu dem in den Normen/Richtlinen geforderten Effektivwert.

Signalformen niederfrequenter elektrischer und magnetischer Wechselfelder

Annähernd sinusförmige Signale:

  • elektrisches Feld von Leitungen
  • magnetisches Feld von ohmschen Verbrauchern (Glühlampe; Elektroheizung)

Nicht sinusförmige Signale:

  • Magnetisches Feld von Hochspannungsleitungen und Bahnstrecken
  • Magnetisches Feld von induktiven Verbrauchern (Transformatoren in Steckernetzteilen, Radioweckern, Trafostationen,..; Elektromotoren in Kühlschränken, Staubsaugern,..)
  • elektrisches und magnetisches Feld von Neonlampen
  • elektrisches und magnetisches Feld von Stromsparlampen und elektronischen Vorschaltgeräten
  • elektrisches und magnetisches Feld von Bildschirmen und Fernsehgeräten
  • elektrisches und magnetisches Feld von Schaltnetzteilen (PC, Notebook,...)
  • elektrisches und magnetisches Feld von Dimmern und Drehzahlregelungen und die damit betriebenen Geräte

Messdifferenz bei Effektivwertgleichrichtung

Bei dieser von der Signalform unabhängigen Art der Umwandlung können Fehler auftreten die durch die technischen Grenzen der Effektivwertwandler-ICs bedingt sind. Sie äussern sich in einem Empfindlichkeitsverlust bei kleinen Signalen hoher Frequenz.

Im oberen Diagramm wird der durch den im Feldmeter FM6 eingesetzten Effektivwertwandler AD737 verursachte Wandlerfehler aufgezeigt. Der Anzeigenumfang des FM6 erstreckt sich von 1 bis 199 Digit, dies entspricht einer Eingangsspannung am Wandler von 1 bis 199 mV. Bei hohen Frequenzen können Fehler auftreten, wenn ein Signal eine geringere Amplitude als ca. ein Zehntel des Messbereichs aufweist.
Dies wird an der roten Kurve deutlich; sie entspricht 5 % des Messbereichs, also 10 nT bei 200 nT oder 1,0 V/m bei 20,0 V/m. Bei einer Frequenz von 10 kHz tritt ein Fehler von -1% auf, bei 20 kHz von -10% und bei 40 kHz wird die -3 dB-Schwelle unterschritten.

Messdifferenz bei Mittelwertgleichrichtung

Die Messdifferenz zu dem, in Normen und Richtlinien beschriebenen, Effektivwert basiert auf der Abweichung des Mittelwertes zum Effektivwert bei unterschiedlichen Signalformen, der vom Sensor erzeugten Wechselspannung.
Zum Aufzeigen dieser Abweichung wird am Wechselspannungsausgang eines mit Mittelwertgleichrichtung arbeitenden Feldstärkemessgerätes (Gigahertz Solutions ME3951A) ein Effektivwert-Multimeter (Fluke 45) angeschlossen. Die, bei diesem Versuch erzeugten Felder wurden so gewählt, dass die Ausgangsspannung des ME3915A stets kleiner ca. 1V ist um eine Übersteuerung auszuschließen. Bei einem sinusförmigen Magnetfeld (50 Hz, 1µT) wird der Faktor vom angezeigten Messwert zur Ausgangsspannung ermittelt. Bei den von Sinus abweichenden Signalformen wird aus der am Multimeter angezeigten Spannung der Sollwert errechnet. Die Differenz zwischen Sollwert und den vom Feldstärkemessgeräte angezeigten Messwert ist die durch die Mittelwertgleichrichtung resultierende Abweichung.
Wird bei diesen Versuch das Feldmeter FM6 hinzugezogen, so zeigt sich stets eine Übereinstimmung mit dem Fluke 45.
Diese Messung kann bei allen Feldstärkemessgeräten mit AC-Ausgang und einem Effektivwertmultimeter einfach nachvollzogen werden.

Magnetisches Feld
Sinus

Sollwert: 1 µT
Messwert: 1 µT
Abweichung 0% (Referenz)
Magnetisches Feld
Rechteck

Sollwert: 1 µT
Messwert: 1,11 µT
Abweichung +11%
Magnetisches Feld
Netzteil

Sollwert: 764 nT
Messwert: 398 nT
Abweichung -48%
Elektrisches Feld
gedimmte Glühlampe

Sollwert: 42,1 V/m
Messwert: 18,1 V/m
Abweichung -57%

Kenndaten von Gleichrichtern

Merkmale der Effektivwertgleichrichtung:

  • aufwendige Schaltung erforderlich
  • hoher Preis ca. 10-100 DM
  • Begrenzung des Frequenzbereichs nach oben
  • Unterbewertung kleiner Eingangssignale bei hohen Frequenzen
  • Korrekte Umwandlung von Wechsel- in Gleichspannung nach TCO/MPRII
  • eingesetzt im Feldstärkemessgerät Fauser FM6/E, Multimeter ab ca. 300 DM

Merkmale der Mittelwertgleichrichtung

  • geringer Schaltungsaufwand
  • niedriger Preis ca. 1-10 DM
  • größerer Frequenzbereich als bei Effektivwertgleichrichtung möglich
  • Umwandlung von Wechsel- in Gleichspannung nach TCO/MPRII nur bei einer Signalform möglich, sonst schwerwiegende Messfehler
  • eingesetzt in Feldstärkemessgeräten wie Gigahertz Solution ME3XXX, Merkel Messtechnik E1/M1/EM1, einfachen Multimetern

Fazit

Die Richtlinien TCO und MPRII schreiben zwingend die Anzeige des Effektivwertes vor. Dabei werden Abweichungen bei kleinen Signalen hoher Frequenz, wie sie auch bei dem Feldmeter FM6 auftreten können, z.B. bei Werten <1 V/m bedingt durch die schwierige elektronische Umsetzung in Kauf genommen.
Mit aufwendiger Mittelwertgleichrichtung kann man zwar bei Sonderfällen, wie dem Vermessen einer Stromsparlampe vor einer starken 50Hz-Hintergrundbelastung, noch das letzte Promill dieser Lampe am Gesamtfeld ermitteln, aber im allgegenwärtigen Bereich der 50Hz-Versorgungsnetze und des Bahnstroms ist in der Praxis keine Messung nach den oben erwähnten Richtlinienen möglich. Daher sind solche Messgeräte für Messungen nach TCO/MPRII im Allgemeinen nicht geeignet.